Das große Knistern

Die Nelkenzigarette Kretek ist mehr als ein Genussmittel – sie ist ein Nationalsymbol Indonesiens

„Kretek“, das leise knisternde Geräusch, das beim Rauchen entsteht: Es gab der indonesischen Nelkenzigarette ihren Namen. Tabak, geschrotete Gewürznelken sowie Kräuter- oder Fruchtextrakte, die sogenannte saus, verleihen den Kreteks ihren unverkennbaren Geschmack. Ihre Bedeutung aber geht weit über die einer Zigarette hinaus: Kreteks sind ein Nationalsymbol.

Ihren Anfang nahm die Kretek 1880 als Heilmittel. Zugeschrieben wird ihre Erfindung dem Einheimischen Haji Jamhari: Er rollte sich Nelken in den Tabak, um sein Asthma zu lindern. Offenbar hat die Therapie gewirkt, Jamhari begann seine rokok cengkeh („Nelkenzigarette“) zu vermarkten und vertrieb die handgerollten Produkte in Apotheken.

Erst kurz zuvor war die erste westliche Zigarette nach „Niederländisch-Indien“ importiert worden. Verbreitet durch die Kolonialregierung wurden „weiße“ Zigaretten zunächst zum Symbol von Modernität. Doch mit der Unabhängigkeit Indonesiens 1945 begann auch die Erfolgsgeschichte der Kretek: Zigaretten, die von einem Indonesier erfunden und in Indonesien selbst erzeugt wurden, das befeuerte das Selbstbewusstsein. Zwischen 1960 und 1970 wurden die vorwiegend dunklen Kretek zu einem Symbol gegen die „weißen Zigaretten" – und vermutlich auch die westlichen Konzerne.

Vergünstigte Steuersätze und die Mechanisierung der Herstellung sorgten dafür, dass sich Kretek in den Neunzigerjahren weiter verbreiteten. Heute umfasst die Kretek-Industrie in Indonesien – dem zweitgrößten Tabakmarkt der Welt nach China – 500 Hersteller. Etwa 10 Millionen Menschen sind darin beschäftigt, und noch knapp ein Drittel der Kretek werden handgerollt.

Etwa 94 % aller Raucher in Indonesien entscheiden sich für Kretek. Zukunft wird die Kretek mit Sicherheit weiterhin haben: Schließlich produziert Indonesien auch rund 80 % der Gewürznelken weltweit.

Foto: iStock by Getty Images, brunorbs

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