Vape

Mehr als Geschmack: Mundgefühl und Emotion im Vape-Markt

Unser Vaping-Experte Oliver Schwarzer gibt tiefe Einblicke in die globale Produktentwicklung, den Umgang mit strenger Regulatorik und das Erreichen physikalischer Grenzen – von der Simulation eines spürbaren Limonaden-Prickelns bis zur Erforschung herzhafter Aromenstrukturen.

Inhalte

  1. Die Entdeckung des Kohlensäure-Effekts: Efferveszenz im Dampf
  2. Globale Inspiration: Was wir von indonesischen „Creme-Bomben“ lernen können
  3. Das Unmögliche möglich machen: Die physikalische Grenze des salzigen Dampfens
  4. TPD3 und Regulatorik: Warum Erfahrung und Bauchgefühl die echten Innovationstreiber sind
  5. Fazit: Haptische Erlebnisse und Emotionen durch Dampf vermitteln

Die globale Vape-Industrie befindet sich an einem kritischen Wendepunkt. Während der Markt durch fortschreitende Rohstoff-Regulierungen und die befürchteten Verbote von Sucralose oder Menthol stark standardisiert wird, trennt sich bei der Produktentwicklung die Spreu vom Weizen. Standard-Geschmacksprofile reichen längst nicht mehr aus, um B2B-Kunden und Endverbraucher langfristig zu binden. Echte Differenzierung entsteht heute dort, wo Wissenschaft auf sensorische Kunst trifft: beim haptischen Mundgefühl und der Übertragung echter Emotionen durch Dampf. Im Interview erklärt Oliver Schwarzer, Vaping-Anwendungsexperte bei Hertz & Selck, wie durch technologische Innovationen das Unmögliche möglich gemacht wird – vom echten Limonaden-Kribbeln bis hin zu maßgeschneiderten Profilen für internationale Märkte.

Die Entdeckung des Kohlensäure-Effekts: Efferveszenz im Dampf

Klassische Erfrischung im Vape-Bereich wurde jahrelang eindimensional über Cooling Agents wie WS-23 oder Menthol gelöst. Diese kühlen zwar den Rachenraum, bilden aber nicht das haptische Erlebnis eines spritzigen Softdrinks nach. Hertz & Selck setzt hier auf einen technologischen Durchbruch: die Simulation von Efferveszenz. Durch den Einsatz von hochspezialisierten Pflanzenextrakten – gelingt es, ein spürbares Kohlensäure-Prickeln auf der Zunge zu erzeugen. Diese somatosensorische Täuschung reproduziert das haptische Mundgefühl einer frisch geöffneten Limonade im gasförmigen Zustand perfekt. Für R&D-Abteilungen eröffnet dies völlig neue Möglichkeiten für authentische Getränkeprofiele ohne die chemischen Stabilitätsprobleme echter Säuren.

Globale Inspiration: Was wir von indonesischen „Creme-Bomben“ lernen können

Wer im globalen Vape-Geschäft erfolgreich exportieren will, muss verstehen, dass Geschmack zutiefst regional verankert ist. Während in Europa und China fruchtige Einzelnoten wie Erdbeere oder Blaubeere dominieren und im Nahen Osten traditionelle Shisha-Profile wie Doppelapfel gefragt sind, folgt Südostasien ganz eigenen Regeln. Der indonesische Markt beispielsweise meidet klassische Frucht-Frische-Kombinationen fast vollständig. Hier sind extrem schwere, hochkomplexe „Creme-Bomben“ und keksige Süßigkeiten-Mischungen der absolute Standard. Für globale Brand Owner bedeutet das: Ein erfolgreiches Produkt lässt sich nicht ungeprüft übertragen. Nur wer die sensorischen Vorlieben und Hardware-Gegebenheiten der Zielregion exakt analysiert, sichert den Exporterfolg.

Das Unmögliche möglich machen: Die physikalische Grenze des salzigen Dampfens

In der Produktentwicklung taucht regelmäßig die Frage nach herzhaften oder salzigen Vape-Aromen auf – eine gigantische, bisher unbesetzte Marktlücke. Die physikalische Realität setzt der Flavoristik hier jedoch derzeit noch klare Grenzen. Während Süße über Sweetener wie Sucralose exzellent im Dampf transportiert wird und Aromen „zum Leben erweckt“, lässt sich Salz (Natriumchlorid) physikalisch nicht ohne Weiteres in eine stabile, inhalierbare und geschmacklich authentische Dampfform überführen. Da es aktuell kein funktionierendes Alternativprodukt für den mineralischen Salzgeschmack auf dem Trägerstoff gibt, bleibt die Vape-Welt primär süß geprägt. Hertz & Selck erforscht diese physikalischen Grenzen kontinuierlich, um Applikationslösungen für die Zukunft zu finden.

TPD3 und Regulatorik: Warum Erfahrung und Bauchgefühl die echten Innovationstreiber sind

Die regulatorischen Hürden in Deutschland und Europa wachsen rasant. Die anstehenden Einschränkungen von Menthol, Kühlmitteln und Sucralose zwingen Hersteller zu massivem Umdenken. Allein bei Hertz & Selck mussten über 250 etablierte Produkte durch unser Regulatory-Team komplett reformuliert werden. In einem solchen Umfeld schrumpft der rein wissenschaftliche Baukasten an Rohstoffen. Hier zeigt sich der Wert jahrzehntelanger Applikationserfahrung: Innovation bei Hertz & Selck basiert zu 80 % auf fundiertem Bauchgefühl und künstlerischer Freiheit, gestützt durch präzise 20 % physikalisch-chemische Laborwissenschaft. So entstehen gesetzeskonforme Rezepturen, die sensorisch dennoch restlos überzeugen.

Fazit: Haptische Erlebnisse und Emotionen durch Dampf vermitteln

Echte Innovation bedeutet bei Hertz & Selck, sich nicht mit der bloßen Nachahmung einer Geschmacksnote zufriedenzugeben. Wenn Einzelnoten durch veränderte Hardware wie kleine Pod-Systeme oder extreme Watt-Akkuträger völlig unterschiedlich performen, reicht Standard-Chemie nicht aus. Unser Ziel ist es, haptische Erlebnisse – vom kontrollierten Throat-Hit bei Nikotinsalzen bis zum prickelnden Gazoz-Effekt – reproduzierbar und gesetzeskonform in die Anwendung zu bringen. Wir übersetzen komplexe Kundenbriefings und sensorische Herausforderungen in stabile Markterfolge.

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